Produktkritik vom 28. Januar 2010

28.01.2010

Kritiker: Dieter Lintz

Seite 1/Seite 3

  • Aufmacher-Foto kein Brüller, aber dem Gewicht des Themas angemessen.
  • Text-Aufmacher: Na ja. Gegen den Text ist nix einzuwenden, die Hintergründe auf Seite 3 sind sehr interessant, aber als Aufmachung die zentrale Botschaft „Felssturz auch in der Region nicht ausgeschlossen“ scheint mir etwas dünn – zumal einen Tag zu spät. Auch bei Gewitter vom Blitz getroffen zu werden, ist in der Region nicht ausgeschlossen. Oder bei Glatteis auf dem Bürgersteig auszurutschen. Außer Lawinen und Sturmflut ist eigentlich kaum was in der Region ausgeschlossen. Ein Aufmacher wäre es gewesen, wenn man hätte schreiben können: Eklatante Felssturz-Gefahr an der Mosel. Aber das haben die Äußerungen der Experten offensichtlich nicht hergegeben. Da muss man auch mal sagen: Okay, dann ist es eben kein Aufmacher.
    • Isabell Funk: Uns ist leider der Aufmacher weggebrochen. Da mussten wir einen neuen stricken.
  • Ansonsten ist der Themen-Mix auf der Eins gut. Was noch dazu gehört hätte, wäre der Lütticher Hauseinsturz – das ist immerhin noch Großregion Saar-Lor-Lux.

Seite 2/4

  • Ich finde ein bisschen schizophren, dass wir uns einerseits in vielen Kommentaren über das permanente Schielen der Politiker auf Umfrage-Ergebnisse mokieren, andererseits aber den vergleichsweise peripheren Umstand, dass die FDP bei Forsa von 14,6 auf 13,5 Prozent gefallen ist – was mir für eine Neu-Regierungspartei ein recht geringer, jedenfalls aber normaler Verlust zu sein scheint – mit einem Aufmacher und einem „Leiter“ bedenken. Ein besseres Leiter-Thema hätten der Peres-Besuch und vor allem die immer wahrscheinlicher werdende PKW-Maut sein können.
  • Das Feature zur Peres-Rede (Hagen Strauß) auf Seite 4 ist ein Glanzstück und zeigt, was die Berliner Redaktion kann, wenn sie nicht in Routine versackt.
  • Das I-Pad-Stück auf dem Fuß wirft dem Leser schon im Vorspann (ebenso wie die Meldung auf der Eins) einen Fachbegriff wie „Tablet-Computer“ an den Kopf und wird dann immer komplizierter.

Geld und Mark (Seite 5)

  • Die spannendste Frage beim Aufmacher, nämlich die, warum die Bundesregierung ihre Prognose deutlich unter den Schätzungen der Experten ansetzt, wird erst ganz am Schluss und nur teilweise beantwortet. Davor ist zu viel Brüderle-Gesülze (Stefan Vetter).

Mehrwert (Seite 6)

  • Hübsche, fleißig recherchierte Service-Geschichte (Ursula Quickert) mit einer etwas blöden BUZ (…“der 20.10, ist ein Mittwoch – trotzdem sind vielerorts Trauungen möglich“)

Sport (Seite 17)

  • Guter, übersichtlicher Service für Fußball-Fans mit den Chancen der Kader-Aspiranten, mit sympathischem „Hinter den Kulissen“-Hingucker als Aufmacherfoto.
  • Schönes Bild Schumacher/Rosberg, aber leider mit genau der falschen Aussage, die durch die BUZ etwas mühsam korrigiert wird („Ungewohntes Bild, normalerweise…)
  • Sehr freundliches Interview mit Handball-Bundestrainer Brand nach dem Debakel seiner Mannschaft bei der EM. Trotzdem: Es ziert uns, dass wir vor Ort dabei sind.
    • Damian Schwickerath: Zweispalter zum Flutlicht-Spiel in Salmrohr (Seite 18). Man muss erklären, warum es Sicherheitsbedenken gibt.
    • Isabell Funk: Interview mit Heiner Brand (Seite 19): Das ist schon das zweite Interview mit Brand innerhalb kurzer Zeit. Da muss man eine andere Textform wählen.
  • Extra-Seite „Technik“ (Seite 22)
  • Schöne Agentur-Geschichte zu Innovationen auf der Spielwaren-Messe, die aber nicht so recht zum Seitenkopf passen will.

Kultur (Seite 23)

  • Feidman ist ein Interview wert, auch wenn er nicht allzu viel verrät. Schöne Fernsehkolumne zu „Monk“ (Eva Großeastroth), mit Herzblut geschrieben. Weil ich aber vermute, dass „Monk“ trotz allem einer Mehrheit der Leser gänzlich unbekannt ist und das in der Fernseh-Kolumne sicher öfter vorkommt, wenn es nicht gerade um den Tatort geht: Wie wär’s in solchen Fällen mit einem kleinen Anhang, der zumindest erklärt, auf welchem Sender und an welchem Stamm-Sendeplatz die Sendung auftaucht?
  • Zwei sehr gute Texte zu den Shanes (Mechthild Schneiders) und den Rilke-Elegien mit Edgar Selge (Verena Schüller). Vor allem letztere so geschrieben, dass einerseits auch Nicht-Literaturexperten verstehen, worum es geht, andererseits aber das inhaltliche Niveau der Veranstaltung auch einen Widerhall in der Form der Berichterstattung findet.

Welt (Seite 31/32)

  • Mein alter Kritikpunkt: Schreckensszenario-Übung in Köln, Babyleiche im Thüringer Kühlschrank, Nachbeben auf Haiti, Mord an Rentnerin in Kaiserslautern, Angestellter schießt auf Chef, Linienbus in Flammen, Jungen missbraucht und getötet, Täter hingerichtet, Gefängnis-Ausbrecher in Essen, Tote bei Hauseinsturz in Lüttich, 14 erfrorene Obdachlose in Deutschland, Mutter erwürgt, Sohn muss in Psychiatrie, Abgestürzte Boeing, tödliche Abtreibung. Die Meldung 84 Brieftauben geklaut ist die mit Abstand positivste Nachricht – die sind ja wenigstens nicht tot. Gibt es auf der Welt außer ein paar Zeilen Klatsch und Tratsch nur Kriminalität und Katastrophen?

Lokales (jeweils Seite 7)

Trier:

  • Starker Südbad-Aufmacher (Christiane Wolff), der aktuelle Infos zum Stand der Dinge mit guten Service-Infos koppelt. Ich halte es auch für richtig, dass man das Foto mit dem stärkeren Informationswert groß nach oben, das mit der schöneren Ästhetik klein nach unten gesetzt hat.
  • Gut, dass wir unsere Geschichte mit der HIV-infizierten Ronja weiterdrehen und die Leser auf dem Laufenden halten (Beate Kerpen).
  • Schön geschriebener Artikel über den „Abschied vom Schorsch“ (Christiane Wolff).
  • Thema „Baulücke für die Petrisberg-Trasse“: Gut gecovert, schreit aber förmlich nach einem Luftbild als Illustration.
  • Regionale Wirtschaft: Klasse, dass wir mal ganz andere Unternehmen berücksichtigen als die üblichen Verdächtigen. Guter Text (Mario Hübner), der in der BUZ und dem Vorspann leider den (mir zum Beispiel gänzlich unbekannten) Ort Wiesbaum nicht lokalisiert.

Trier-Land

  • Straßen-Arbeiten sind immer ein Reizthema, Friedhelm Knopp (Text) und Biggi Keiser (Grafik) dröseln es service-freundlich und übersichtlich für ihren Beritt auf. Sollte man (wenn noch nicht geschehen) zum Winterende überall machen.
  • Gut, dass die Piesport-Geschichte zur Gemeindefusion so ausführlich von der Mosel übernommen worden ist.

Konz

  • Nachruf auf Andreas Jacob ist angemessen platziert – er war in Konz und Saarburg eine Größe.
  • Einzelhandels-Geschichte in Konz (Anke Pipke) ist als Aufmacher okay, aber man verliert langsam den Überblick im Wust der Initiativen und Konzepte.
  • Das Aufmacher-Foto mit der Unschärfe finde ich gut.

Saarburg

  • Solider Aufmacher (Susanne Rendenbach), der auch „Vorbeifahrende“ interessiert.

Hochwald

  • Schulschließungs-Geschichte Waldweiler so aufgebaut, dass sich auch Leser angesprochen fühlen, die nicht betroffen sind. Klare Einordnung durch Kommentar (Axel Munsteiner). Die Geschichte der aussterbenden Skatturniere auf dem Fuß legt nahe, daraus mal ein allgemeines Thema zu machen. Gibt’s die Skatdrescher noch, die auf Turnieren oder sonntags in der Stammkneipe zocken?

Bitburg:

  • Gute, anschauliche Schwerpunktseite (Dagmar Schommer) zur anstehenden Haushaltsberatung. Auch die Idee mit der Bilderleiste ist gut, hätte aber den Kontrast „Wird gemacht – wird nicht gemacht“ optisch besser herausarbeiten sollen als mit dem kaum wahrnehmbaren Trennstrich in der Mitte.
  • Gut: die Billen-Fortschreibe auf lokaler Ebene.

Prüm:

  • Herr Bruch verteilt Geld – bis zur Landtagswahl wird das wohl auch so bleiben. Christian Brunker hat daraus einen plastisch geschriebenen Aufmacher gestrickt („Ei, jetzt“). Nur für die Überschrift hätte ich mir da etwas von der Fantasie unserer Sportkollegen gewünscht. Warum statt des langweiligen „Zusage für zentrale Sportanlage“ nicht: „Stadion Jünkerath: Durchbruch dank Bruch“?

Gerolstein

  • So wird die Realschuleplus: Verständlich erläutert (Fritz-Peter Linden), einordnend kommentiert (Mario Hübner). Ich halte es für richtig, dass wir uns für wichtige Themen auch wieder öfter genügend Fläche auf der Aufmacherseite gönnen. Nur: Können wir nicht mal ein paar Fotostrecken zu diesem Dauerthema machen, damit wir nicht immer auf das nichtssagende dpa-Material zurückgreifen müssen?

Daun

  • Schöne Foto-Combo zur Illustration des Naturparks. Sehr schön, dass im Extra erläutert wird, wo sich Konflikte zwischen Naturpark und örtlicher Industrie ergeben könnten.

Wittlich

  • Der Aufmacher hinterlässt bei mir allerlei Irritationen. Er fängt sehr positiv an, schildert die Aktivitäten der Firma in leuchtenden Farben und verrät dann irgendwann, dass offenbar niemand diese Hilfsaktion für sonderlich sinnvoll hält. Der Kommentar, der das einordnen könnte, fehlt.
    • Isabell Funk: Das ist für mich kein Aufmacherthema. Schön ist allerdings das spontane Interview mit dem haitianischen Botschafter.

Mosel

  • Gut aufgearbeitet und kontinuierlich verfolgt: Die Gebietsreform-Diskussionen an der Mosel (Clemens Beckmann). Schade, dass nur in der Trier-Land-Ausgabe der aktuelle Stand zu lesen ist, das Thema dürfte sich in absehbarer Zeit in der gesamten Region stellen.

Online:

  • Positiv die Fotostrecke und die daran gekoppelte Umfrage zu Bruch in Hillesheim. Fortsetzenswert, weil liebevoll und professionell gemacht: Die Trierer Stadtteil-Videos von Christa Weber.

Weitere Anmerkungen:

  • Christian Kremer: Mir hat in der Kino-Statistik (Kultur) die Ergänzung gefehlt, dass James Cameron die beiden zurzeit erfolgreichsten Filme (Avatar, Titanic) gedreht hat.
  • Share/Bookmark

Neuen Blog anlegen